Buch: Der exzellente Kulturbetrieb | Armin Klein
Bücher:
Der exzellente Kulturbetrieb
Armin Klein
Vs Verlag
, 2008 - 336 Seiten
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Das richtige Buch zur richtigen Zeit
Man kann Prof. Armin Klein eins nicht nachsagen: dass er kein Gespür für die richtigen Themen hat. Seine Bücher kamen stets zum richtigen Zeitpunkt, um den
Kulturbetrieb
auf wichtige Entwicklungen vorzubereiten. Diesmal scheint es so, als wolle er zur richtigen Zeit wachrütteln. 2,5 Jahre saß er am Entwurf dieser Publikation und war zeitweise nicht einmal sicher, sie jemals zu veröffentlichen - zu brisant die Bestandsaufnahme, zu unbequem die Wahrheit.
Das Vorwort beginnt zunächst nicht mit einer Vision, sondern beschreibt die öffentlich geförderten Kultureinrichtungen, die - teilweise wie gelähmt - auf Veränderungen reagieren und die "sich der (höchstwahrscheinlich trügerischen) Hoffnung hingeben, der Spuk der Modernisierung werde ein baldiges Ende haben." Gnadenlos streut Klein Salz in die Suppe, benennt auch in den folgenden Kapiteln ungeschönt einen Kultursektor, der mehrheitlich die Veränderungen wie den Einzug neuer Medien, die demographische Entwicklung, das Ende unbegrenzter Daseinsvorsorge des Staates, den Erlebnishunger und die zugenommene Mobilität der Gesellschaft weitestgehend ungerührt hat an sich vorbeiziehen lassen. Armin Klein spricht einem nicht unerheblichen Teil dieser Kulturbetrieb die Zukunftsfähigkeit schlichtweg ab.
Nach den Erfahrungen, die Kulturmanagement Network in den vielen Jahren seiner Berichterstattung gesammelt hat, kann man ihm nur Recht geben. Ist auch grundsätzlich geboten, positiv zu denken, ist es "Zeit, dass sich was bewegt", wie Klein das erste Kapitel - einer Kampagne gleichend - überschreibt. Es geht bei der folgenden Lektüre dem Leser häufig so, dass er angesichts der benannten Missstände gleichzeitig mit der Faust auf den Tisch schlagen will, wie er im gleichen Moment mit Wehmut das Ende hochfliegender kulturpolitischer Konzepte oder - viel schlimmer - künstlerischer Ambitionen in den Traditionshäusern der Republik kommen sieht. Dieser Spagat des Autors ist gewollt, und man kann Armin Klein kaum vorwerfen, nicht für den Erhalt einer lebendigen Kulturlandschaft einzutreten.
Eines der größten Probleme ist nach Meinung des Autors das Fehlen des Geldes für die eigentliche Aufgabe der Einrichtungen, dem Schaffen künstlerischer Inhalte. Ein Großteil verschlingen die Personalkosten. Die Anschaffungsetats von Museen oder die Budgets für neue Theaterproduktionen sind vielerorts auf den Nullpunkt gesunken. Gespart wird in aller Regel beim schwächsten Glied - den Künstlern. Der Kulturstaat Deutschland führe sich damit selbst ad absurdum, so Klein. Der Autor geht soweit zu schlussfolgern, dass das fehlende Existenzrisiko zu weniger Innovation und Besucherorientierung führt.
Wo bleiben die Lösungen, mag der geneigte Leser fragen. Ab Seite 45 spricht Klein vom Neuanfang, sodass der Eindruck entsteht, jetzt kämen die Anleitungen für den erhofften,
exzellente
n Kulturbetrieb. Diskursiv ist zunächst die These von der Kulturproduktion und -vermarktung als "letzte Stufe des Kapitalismus", wie Jeremy Rifkin es 2000 formulierte. Doch bevor vorschnell die Kritiker vor dem endgültigen Ausverkauf der Kultur warnen, kommt Klein zum Kern: Kultur und die Künste "waren und sind diejenigen Medien, in denen die Menschen ihre gesellschaftliche Wirklichkeit reflektieren, mit deren Hilfe also die Gesellschaft mit sich selbst in Dialog tritt." Es dürfte dem aufmerksamen Kulturpolitiker klar geworden sein, dass Kultur heute alles andere als im Zentrum der Gesellschaft steht. Mehr Kulturförderung - zumindest nach den heutigen Mustern - führt offenkundig nicht zur besseren Gesellschaft, zu künstlerischer Vielfalt und höherer Bildung in der breiten Bevölkerung. Klein warnt vor dem Etikettenschwindel, der Subventionen neuerdings als Investition verkauft. Statt den Eindruck zu erwecken, wirtschaftliche Gewinne zu erzielen, sollten sich die Zuwendungsgeber den Anspruch auf einen Strukturwandel vor Augen halten, der mit staatlichen Förderungen ursprünglich bewirkt werden soll. Damit greift man zwangsläufig in das Marktgeschehen geschehen. Ergebnis ist ein inzwischen über Jahrzehnte sich vollziehender Abschied von der Nachfrage zu einer Bevormundung der Bevölkerung durch die "Kulturmacher". Dies stellt im übrigen auch Oliver Scheytt fest, der keinen Bestandsschutz bestimmter Kulturangebote in der Region garantiert sehen möchte und auch den Kulturauftrag nicht auf die Förderung öffentlicher Kulturangebote beschränkt sehen will. Ob das auch seine Kollegen in der Kulturpolitischen Gesellschaft so sehen?
Armin Klein spart auch in den Kapiteln, die sich den vermeintlichen Lösungen für die Misere widmen, nie an treffenden Beschreibungen für das, was schief läuft. Die Ratschläge bleiben leider gelegentlich zu plakativ, was daran liegen könnte, dass er bei aller Nähe zum Kulturbetrieb ein Vertreter der Lehre und Forschung bleibt. Dennoch führt er zahllose Beispiele auch anderer Autoren auf, die aufzeigen, wohin die Reise geht, wenn die Weichen richtig gestellt werden. Zumal profitiert er von seiner internationalen Perspektive. Hier hebt sich Klein wohltuend von anderen Vertretern der schreibenden Zunft im Kulturmanagement - Diskurs ab, die sich auf nationale Gegebenheiten konzentrieren, ohne darauf einzugehen, dass längst die fortschrittlichen Konzepte mehrheitlich außerhalb des Landes angewendet werden.
Bücher, die Missstände im Lande schonungslos aufzeigen, wurden zumeist Bestseller. Es wäre der Publikation, nein, es wäre dem Kulturbetrieb zu wünschen, dass es auch mit dieser Neuerscheinung geschieht. Die Leser werden mit Sicherheit bald zu den Lösungen kommen, die notwendig sind, um den Kulturbetrieb zu mehr Exzellenz und Innovationskraft zu verhelfen.
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