Kein Lohn

Katja hockt hinter einem Stapel Träger und weint bitterlich. Auch die beiden anderen Mädchen von den Nachbarstellagen schauen betreten drein. Sie haben schon den dritten Monat keinen Lohn. Wovon sollen sie das Bett in der Gemeinschaftswohnung zahlen, sechs Mädchen in einem Zimmer? Wovon leben? Sie verstummen plötzlich, wenden sich ab und machen sich an die Arbeit. Der russische Vorarbeiter taucht auf; besser nicht im Gespräch mit den Plennies gesehen zu werden. Steckt er dahinter? Hält er den Lohn zurück?
Ich lasse die Kameraden an der Stellage zurück und gehe in die Werkstatt an die Bohrmaschine. Sie zerkugeln sich über mich, weil ich sagte, heute sei Kaiser Franz Josephs Geburtstag.

Wenig später komme ich mit dem Arbeitshandschuh, als ich Metallspäne wegwischen will, in den Bohrer! Gott sei Dank dreht er sich langsam. Mit einem Ruck reiße ich die Hand aus dem Handschuh, der sich schon um mein Gelenk spannt. Etwas verstört setze ich mich in Pjotrs Zelt, der mir bald Gesellschaft leistet. "Da hast Du aber Glück gehabt!" Er teilt eine Bulotschka mit mir. Plötzlich fragt er: "Glaubst Du?" Er nickt befriedigt. "Ich glaube auch, aber es ist besser nicht darüber zu reden".

Ich sage nichts von Katja´s Kreuz, aber vielleicht hat er es ohnehin schon bemerkt.
Zu Mittag will ich mich, des starken Windes wegen, mit meinem Schlag Suppe in ein Fundamentloch setzen, doch finde ich´s schon besetzt. Einer der Brigadiere, der "Kleine" mit der blauen Offiziersbluse, steht mit herabgelassener Hose hinter Katja. Die Leiter haben sie auf den Boden gelegt. Ich schleiche weg, sie haben mich nicht bemerkt. Zuerst kriecht Katja heraus, rot im Gesicht. Das arme Mädchen. Es dauert aber nicht lang, da spricht sich´s herum, daß die Mädchen Geld brauchen. Die interessierten Oberplennies, die fünfzig Rubel investieren können, halten Wache. Man braucht nur zu schauen, um welches Versteck sie herumstreichen. Aber nicht nur wir spähen.
Eines Tages sagt Pjotr. "Hast Du schon gesehen? Die Mädchen sind weg!"
Und was geschieht jetzt mit ihnen? Pjotr zuckt die Schultern. "Prostitution ist verboten. Vielleicht läßt sie die Miliz laufen, nachdem sie sie gefickt haben. Vielleicht sperren sie sie ein, nachher".

Wenn man die Nachrichten hört, könnte man meinen, die Amerikaner seien nie Verbündete der Sowjets gewesen. Obwohl uns lieber wäre, die Amis könnten Erfolge aufweisen, gönnen wir ihnen doch andererseits die Niederlage.
Immer kleiner wird der Brückenkopf in Südkorea. Der Krieg verliert unser Interesse.